In KSB könnten sie derzeit etwas Wichtiges lernen. Erstens: Wer Wahrheiten unterdrückt und niemals einen Fehler eingesteht, wird unglaubwürdig und ruiniert seinen Ruf. Und zweitens: ist es so weit gekommen und er hält hartnäckig seinen Kurs, begegnet er wachsendem Misstrauen. Die Skandale um die Mission Kwasizabantu und ihr starrsinniger Umgang damit haben dazu geführt, dass sie argwöhnisch beobachtet und jede in ihrem Umfeld vermutete moralische Unebenheit öffentlich breitgetreten werden. Warum sonst waren die Medienberichte über einen womöglich unbedeutenden Zwischenfall im Sonntagsgottesdienst am 18, Januar so umfangreich?
Ein Blick zurück: Auf dem Gelände von KwaSizabantu raunten schon vor Jahrzehnten Bewohner der Mission immer mal wieder einen bemerkenswerten Satz. Bemerkenswert deshalb, weil er irgendwie nicht in die heile Welt dieser Umgebung passte. Er lautete: „Die Frauen müssen aufpassen und schnell auf den Bäumen sein, wenn sie ihn sehen.“ Die Rede war von Jabulani Dube, Bruder derzeitigen KSB-Chefin Lydia Dube. Von ihm wussten alle, dass er einen äußerst ausgeprägten Hang zu allem hatte, was Röcke oder Kleider trug.
Ein Kleid trug auch Connie, Mitarbeiterin der KSB-eigenen Aquelle Wasserfabrik, als sie während des Sonntagsgottesdienstes in der Verkündigungshalle der Mission am 18. Januar 2026 einen ungewöhnlichen Auftritt hatte. Während eben jener Jabulani Dube von der Kanzel zu einer Predigt anhob und aus dem Buch Jona lesen wollte, stürmte Connie nach vorne, rangelte mit Dube um dessen Bibel auf dem Pult, bis sie ihm diese schließlich entriss. „Ihr erzählt uns Lügen, ihr steht hier und predigt Lügen, wir haben genug von den Lügen,“ schrie sie laut in den Saal, ihre weiteren Rufe waren in dem Tumult jedoch nicht vollständig zu verstehen. Sie schien Dube zu beschuldigen, ihr die Jungfräulichkeit genommen zu haben. Die Zuschauer auf You Tube und die Hörer von Radio Khwezi konnten es live mitverfolgen.
Dube, der alt gewordene Womanizer, reagierte sichtlich verunsichert und murmelte: „Haltet sie fest. Ich kenne sie nicht einmal. Nehmt ihr die Bibel weg.“ Er fügte hinzu, nachdem ihm die Bibel wiedergegeben wurde: „Ich weiß nicht, woher dieses Mädchen kommt. Ich kenne sie nur vom Sehen. Hier benutzt der Teufel sie …Ihr Dämon sagt, ich hätte ihr die Jungfräulichkeit genommen. Ich kenne sie nicht.“
Ihr Dämon sagt…? Es gibt Schilderungen über den Vorfall, in denen von Dämonen keine Rede ist. Sie lauten so: Connie wollte eigentlich einen jungen Mann namens Phakamani Mkhwanazi heiraten. Aber, wie das auf der Mission so ist: der Seelsorger Jabulani Dube überzeugte Phakamani, eine andere Frau zu heiraten. Ein Informant aus der Mission meint, den Grund dafür zu kennen: „… weil Baba Dube eine Affäre und Sex mit der Frau hatte, die ihm die Bibel wegnahm“. War sie nicht schnell genug auf dem Baum?
Ob wahr oder nicht wahr – die Mission in KwaZulu-Natal steht erneut im Fokus der Öffentlichkeit, nachdem ein Video der Szene in den sozialen Medien viral ging. Mpiyakhe Mkholo, Sprecher der CRL-Kommission, der seit Beginn der dilettantischen Ermittlungen des Missbrauchsskandals eher durch große Ankündigungen anstelle konkreten Handelns aufgefallen war, verwies die junge Frau erst einmal auf den Dienstweg. „Die Dame muss eine Beschwerde einreichen, bevor wir die Angelegenheit untersuchen können“, erklärte er im Namen der Kommission. Wie diese allerdings den Raub einer Jungfräulichkeit untersuchen will, die offensichtlich keine Vergewaltigung war, ist das große Geheimnis Mkholos.
Die Mission KwaSizabantu hatte auch etwas zu dem Vorfall zu sagen, nur nichts Wesentliches. Ihr Sprecher Dirk Combrink betonte einmal mehr die Berufung der Mission, Menschen in Not zur Seite zu stehen. Ob er die erkennbar in Not geratene junge Frau nach dem Vorfall im Gottesdienst in das Mitgefühl mit einschloss, war nicht zu erkennen. Der Natal Witness zitiert ihn schließlich mit Verhaltensempfehlungen für die die Medien. Die Mission sei besorgt über die Art und Weise, wie einige Mitglieder der Öffentlichkeit den Vorfall interpretiert hätten. Michael Ngubane, der einst die Kinder auf KSB mit Gummischläuchen prügelte, berichtete ein paar Tage später im Gottesdienst, die junge Dame sei schon mit Problemen auf die Mission gekommen. Sie habe immer wieder Stimmen in ihrem Kopf gehört, unter anderen auch die von Jabulani Dube. Sie habe selbst gesagt, sie habe mentale Probleme. Offenbar konnte ihr jedoch an dem „Ort, wo den Menschen geholfen wird“ nicht geholfen werden.
War es eine Affäre eines über 70-Jährigen mit dieser jungen Frau, war es Connies Wut wegen der von Seelsorger Dube zerstörten Hoffnungen auf eine Hochzeit mit Phakamani Mkhwanazii, war es einfach eine Kurzschlussreaktion einer psychisch angeschlagenen Mitarbeiterin in einer belastenden Episode – wir werden den Anlass der merkwürdigen Szene wohl kaum jemals erfahren. Aber egal, was geschehen ist und der Hintergrund sein mag: Die Mission war wieder einmal in den Schlagzeilen und zeigt sich erstaunt darüber. „Ein Riesending haben sie daraus gemacht“, schimpfte Michael Ngubane über die Medien, „und sie haben es überall verbreitet!“, ärgerte er sich im Sonntagsgottesdienst eine Woche nach dem Vorfall. Ja, sie haben es überall verbreitet. Warum aber Medien sich auf alle echten oder vermeintlichen Missstände, auf jedes auffällige Detail im Alltag der Mission Kwasizabantu stürzen, das wollen sie dort nicht verstehen. Dabei ist es ganz einfach: sie haben sich jahrzehntelang das Misstrauen der Öffentlichkeit sozusagen hartnäckig erarbeitet. Das wachsame Interesse, die gezielte Beobachtung und der teils schonungslose Umgang der Medien mit der Mission sind das Echo darauf.
Es musste ja so kommen. Die zahllosen Missbrauchsfälle aller Art werden von der Missionsleitung und ihren Followern seit Jahrzehnten geleugnet, kriminelle Machenschaften unter den Teppich gekehrt. Dazu kommen der Mangel an Transparenz, religiöser Rigorismus, Rechthaberei und halsstarrige Verbohrtheit. Das angeblich so fromme Führungspersonal von KwaSizabantu war und ist erkennbar narzisstisch, handelt selbstbezogen, kompromisslos und erweist sich schon immer als unbelehrbar. Das alles und noch mehr ist der Stoff, aus dem die Zweifel und der Argwohn gegenüber der selbst ernannten Erweckung gewachsen sind. Das einstige Renommee von KSB ist schwer angeschlagen, man traut ihnen alles Schlimme zu. Verständlich, dass sich bei dieser Gemengelage Journalisten gerne an ihre Fersen hängen. Für sie gibt es dort immer wieder irgendetwas zu holen…
Übrigens: Connie hat am Tag nach dem Vorfall die Mission verlassen. Und die Aufzeichnung des Gottesdienstes wurde von der YouTube-Seite der Mission gelöscht. Es soll schließlich niemand mehr sehen, was geschehen ist. Es könnte vielleicht dem Ruf schaden.