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Sektengefahr: Vortrag im Kurpfalzsaal untersagt

EDENKOBEN: Stadt lÀsst nach RHEINPFALZ-Tipp die von der prot. Kirchengemeinde abgesegnete Veranstaltung nicht zu

Edenkoben im Internet in einem Atemzug genannt mit St. Gallen, Lausanne oder Bern – normalerweise ein Grund, stolz zu sein. Nicht so im vorliegenden Fall: Handelt es sich doch hier um die Tournee-Etappen eines gewissen Erlo Stegen, deutschstĂ€mmiger GrĂŒnder und Leiter des Missionswerks namens Kwasizabantu (KSB) mit Zentrale in SĂŒdafrika und deswegen bei deutschen Sektenbeauftragten ein rotes Tuch.

Am Donnerstag, 26. April, 20 Uhr, sollte Edenkobens Kurpfalzsaal reserviert sein fĂŒr eine Veranstaltung mit ihm. In Szene gesetzt von der Landeskirchlichen Gemeinschaft, abgesegnet von der protestantischen Kirchengemeinde – und auch von der Stadt als EigentĂŒmerin respektive Vermieterin der stĂ€dtischen VeranstaltungssttĂ€tte Nummer eins.
Umso grĂ¶ĂŸer die Verwunderung und Aufregung bei allen Beteiligten, als die RHEINPFALZ mit der Warnung aufwartete, hier werde dann versteckte Sekten-Werbung betrieben. Sowohl StadtbĂŒrgermeister Werner Kastner als auch Pfarrer Hartmut Mittag schlugen bei dieser Nachricht die HĂ€nde ĂŒber dem Kopf zusammen – und bemĂŒhten alle Recherchemöglichkeiten. Und siehe da: Sowohl im Internet als auch vom Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche der Pfalz erhielten sie die BestĂ€tigung: Erlo Stegen ist wie ein SektenfĂŒhrer zu behandeln. Also wurde die Veranstaltung schnellstens abgesagt.

GemĂ€ĂŸ Hausordnung fĂŒr den Kurpfalzsaal steht der Stadt das RĂŒcktrittsrecht von einem Nutzungsvertrag zu, wenn ein “wichtiger Grund” vorliege, konstatierte Kastner in einem Einschreiben und prĂ€zisierte: ein wichtiger Grund liege laut Satzung vor, wenn durch die vorgesehene Veranstaltung … eine SchĂ€digung des Ansehens der Stadt Edenkoben und des von ihr verwalteten Kurpfalzsaals zu befĂŒrchten ist. Adressiert ist der Brief allerdings nicht etwa an den verhinderten Referenten Erlo Stegen, sondern an einen Edenkobener BĂŒrger: Roland Nold. Auf Anfrage der RHEINPFALZ gibt er unumwunden zu, nicht nur Ansprechpartner fĂŒr die Veranstaltung, sondern seit sieben Jahren Mitarbeiter der Mission KSB und als solcher AnhĂ€nger von Stegen zu sein. Wie man von einer Sekte reden könne, das sei ihm ein RĂ€tsel. Es gebe keine unerlaubten GeldgeschĂ€fte, dubiosen AbhĂ€ngigkeiten oder illegale Machenschaften. Hier handele es sich um eine Rufmordkampagne von KBS-Aussteigern. Zwischen 400 und 500 Leute habe er, Nold, fĂŒr den Abend mit Erlo Stegen erwartet. DemnĂ€chst sollte mit dem Plakatieren begonnen werden

Das wĂ€re nun fĂŒr die Katz’, nachdem die Stadt die am 11. Dezember 2000 ausgesprochene Reservierung mit sofortiger Wirkung widerrufen hat. Eine absolut berechtigte wie auch notwendige Maßnahme, wie es Sektenbeauftragter Dr. Richard Ziegert sieht. Es gebe eindeutige Hinweise fĂŒr MissstĂ€nde in dem Missionswerk KSB. 1935 geboren und in einer lutherischen Gemeinde nahe Durban/SĂŒdafrika aufgewachsen, habe Stegen schon im Alter von 15 Jahren den Ruf zum Dienst als Prediger und Evangelist verspĂŒrt. So stand die persönliche Buße bei der Hinwendung zu Gott im Zentrum seiner VerkĂŒndigung. Schließlich bekehrte er hunderte Menschen unter Manifestationen wie Zungenrede und körperliche Heilungen. 1971 begrĂŒndete Stegen Kwasizabantu, wo – zu Zeiten der Apartheidpolitik – die Zusammenarbeit mit dem sĂŒdafrikanischen Geheimdienst an der Tagesordnung gewesen sein soll. Beispielsweise beim Bruch des Seelsorge- oder Beichtgeheimnisses.

Auch von unkorrektem Verhalten der FĂŒhrungsleute, von geistlicher Tyrannei, aber auch von PrĂŒgelstrafen in KSB-eigenen Schulen, GehirnwĂ€sche, ultrakonservativer Erziehung, Zerstörung von Familien oder Erniedrigung von Frauen mit JungfrĂ€ulichkeitstests nach den Ferien ist die Rede. Extreme Regeln gelten fĂŒr Menschen mit Heiratsabsichten, sie unterliegen einem Kommunikationsverbot. Kein HĂ€ndchenhalten, kein gemeinsamer Spaziergang, keine Besprechung der bevorstehenden Hochzeit.

Unter www.ksb-alert.com gibt es eine Homepage, auf der ehemalige Mitarbeiter und AnhĂ€nger der Mission, die eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem Gewissen vor Gott und den Menschen nicht mehr vereinbaren können, auspacken. Auch dort die Klagen ĂŒber diktatorische Verhaltensregeln, ĂŒber zerbrochene Menschen, seltsame KreditgeschĂ€fte, fingierte EntfĂŒhrungen, blinden Gehorsam, eben sektenhafte Strukturen.

Bis zum öffentlichen Ausbruch der Debatten um KSB zĂ€hlte das Werk unseren Informationen zufolge weltweit rund 40 000 AnhĂ€nger, davon 1000 in Deutschland und 300 in der Schweiz. Inzwischen musste Elro Stegen massive AbgĂ€nge hinnehmen. Auf die immer lauter werdenden VorwĂŒrfe wurde von offzieller Seite meist nur mit Dementis und Abwiegelungen reagiert. Briefe mit konkreten Anfragen blieben unbeantwortet. Kommentar

Kommentar: Gefahr enttarnen
Von Michael Reuter – Ums Haar hĂ€tte Erlo Stegen den Kurpfalzsaal als Forum nutzen können, um fĂŒr das sektenmĂ€ĂŸig gefĂŒhrte Missionswerk Kwasizabantu zu werben.
Eine Organisation, die mit ihrer undemokratischen Art der “Erweckung” weltweit ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist. Nur durch die Warnung der RHEINPFALZ wurden die Verantwortlichen auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die Veranstaltung schließlich von der Stadt untersagt.
Gewiss, Erlo Stegen ist kein Guru, der in aller Munde ist, den man kennen mĂŒsste. Also ist Pfarrer Hartmut Mittag kein Vorwurf zu machen, dass er den vorgeschlagenen Termin gutglĂ€ubig absegnete, ohne Verdacht zu schöpfen. Nicht jeder Geistlicher kann sich des Internets bedienen. Aber ein Kirchenapparat wie der evangelische sollte ein Informations- und Warnsystem besitzen, das es jeder Pfarrgemeinde ermöglicht zu erkennen, ob ein Redner einem Sektenchef gleich die eigene Unfehlbarkeit, die Abschottung vom Rest der Christenheit und blinden Gehorsam predigt. RON – RHEINPFALZ ONLINE, Freitag, 20. Apr , 03:45 Uhr